Liste

7 Rock-Hits, die von anderen Songwritern geschrieben wurden

Oft dauert ein Song nur drei Minuten. Drei Minuten, in denen Komposition, Text, Gesang und musikalische Darbietung stimmen müssen, um die Zuhörer zu verzaubern. Verschmelzen all diese Einzelbausteine auf magische Art und Weise miteinander, entsteht dabei manchmal ein Hit für die Ewigkeit. Die folgenden sieben Songs fallen in diese Kategorie — obwohl Komposition und Darbietung nicht von ein und derselben Person stammen.

The Jimi Hendrix Experience - All Along The Watchtower (Official Audio)
The Jimi Hendrix Experience - All Along The Watchtower (Official Audio)

The Jimi Hendrix Experience - „All Along The Watchtower“

(eigentlich von: Bob Dylan)

Mehr als 600 Stücke komponiert Bob Dylan im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere, darunter unsterbliche Hits wie „Like A Rolling Stone“, „Blowin’ In The Wind“ und „Knockin’ On Heaven’s Door“ (dazu gleich mehr). Mit der Nummer „All Along The Watchtower“ (1967) feiert er zunächst bloß mäßige Erfolge, doch als sich Gitarrenlegende Jimi Hendrix der Nummer annimmt, katapultiert der Virtuose das Stück für alle Ewigkeit in die Geschichtsbücher der Rockmusik. Dylan selbst zeigt sich von Hendrix’ Variante so beeindruckt, dass er sich für seine zukünftigen Live-Performances an dessen Cover-Version orientiert. „Seine Interpretation hat mich umgehauen“, schwärmt Dylan 1995 im Interview mit der US-Tageszeitung Sun-Sentinel von Hendrix. „Er konnte Dinge in einem Song finden und sie energisch weiterentwickeln. Er fand Sachen, von denen andere Leute nicht gedacht hätten, dass sie überhaupt existieren. Wahrscheinlich hat er das Lied noch verbessert, indem er die vorhandenen Räume genutzt hat. Ich habe mir viel von ihm abgeschaut und tue das bis heute.“ Im Booklet seines Box-Sets „Biograph“ von 1985 schreibt Dylan sogar: „Seltsam. Wenn ich den Song singe, habe ich dabei immer das Gefühl, als wäre er in gewisser Weise eine Hommage an Hendrix.“ Ein höheres Lob für ein Cover kann es kaum geben, oder?

Bob Dylan - All Along the Watchtower (Official Audio)
Bob Dylan - All Along the Watchtower (Official Audio)
Eric Clapton - I Shot The Sheriff [Crossroads 2010] (Official Live Video)
Eric Clapton - I Shot The Sheriff [Crossroads 2010] (Official Live Video)

Eric Clapton - „I Shot The Sheriff“

(eigentlich von: Bob Marley & The Wailers)

Trotz unsterblicher Songs wie „Layla“, „Lay Down Sally“ und „Tears In Heaven“ landet Eric Clapton im Lauf seiner mehr als 50-jährigen Karriere bloß ein einziges Mal auf dem ersten Platz der US-Singlecharts — und zwar mit einem Song, den er gar nicht geschrieben hat: „I Shot The Sheriff“. Eigentlich hätte Reggae-Legende Bob Marley die Nummer gerne „I Shot The Police“ genannt, doch „die Regierung hätte deshalb einen Aufstand gemacht“, wie der Musiker in einem Interview verrät. „Die Idee dahinter ist aber gleich geblieben: Gerechtigkeit.“ Zum kommerziellen Erfolg entwickelt sich Marleys Komposition erst, als Eric Clapton sie covert. Der Gitarrenvirtuose ergänzt „I Shot The Sheriff“ um seinen typischen Softrock-Sound, nimmt das Stück für sein zweites Album „461 Ocean Boulevard“ neu auf und landet damit einen der größten Hits seiner Laufbahn. Marley schafft mit dem Rückenwind aus dem Hause Clapton anschließend den internationalen Durchbruch. Schon mit seiner nächsten Single „No Woman, No Cry (Live 75)“ gelingt dem Reggae-Künstler der Sprung in die britische Top Ten. Marley und Clapton entwickeln sich also quasi simultan zu Solo-Weltstars — und zwar durch den gleichen Song.

Bob Marley & The Wailers - I Shot The Sheriff (Live At The Rainbow Theatre, London / 1977)
Bob Marley & The Wailers - I Shot The Sheriff (Live At The Rainbow Theatre, London / 1977)
Higher Ground
Higher Ground

Red Hot Chili Peppers - „Higher Ground“

(eigentlich von: Stevie Wonder)

Rock und Funk? Klar, da denken wir sofort an die Red Hot Chili Peppers. Als wichtigen Einfluss nennen die Kalifornier den Musik-Allrounder Stevie Wonder, der 1973 eine Single veröffentlicht, die Anthony Kiedis und Co. besonders beeindruckt haben muss: „Higher Ground“. Gerade einmal drei Stunden braucht Wonder, um den Song zu schreiben und aufzunehmen. „Ich möchte glauben, dass es Reinkarnation gibt“, erklärt der Musiker den Inhalt des Songs im Interview mit den New York Times. „Ich möchte glauben, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Ich denke, dass das Bewusstsein ein zweites Mal auf der Erde auftauchen kann. Was mich betrifft, so habe ich ‚Higher Ground‘ bereits vor dem Unfall geschrieben.“ Mit „dem Unfall“ meint Wonder einen Auto-Crash am 6. August 1973, der ihn in ein viertägiges Koma versetzt. Obwohl sein Arzt ihm davon abrät, steht er nur drei Monate später schon wieder auf der Bühne. Die Red Hot Chili Peppers bringen ihre Version des Stücks am 8. April 1989 raus, verleihen der Nummer noch einmal jede Menge zusätzlichen Funk und verneigen sich mit dem Cover vor einem ihrer musikalischen Helden.

Higher Ground
Higher Ground
Elvis Costello & The Attractions - (What's So Funny 'Bout) Peace, Love And Understanding
Elvis Costello & The Attractions - (What's So Funny 'Bout) Peace, Love And Understanding

Elvis Costello & The Attractions - „(What’s So Funny ’Bout) Peace, Love And Understanding“

(eigentlich von: Nick Lowe bzw. Brinsley Schwarz)

Eigentlich hat der britische Songwriter Nick Lowe seine Komposition „(Whats So Funny Bout) Peace, Love And Understanding“ im Jahr 1978 bereits abgeschrieben. 1974 hatte seine Band Brinsley Schwarz das Stück als Single veröffentlicht, kaum jemand interessierte sich dafür. Doch wenige Jahre später arbeitet Lowe mit einem Musiker namens Elvis Costello zusammen, der das Stück wiederentdeckt. „Es war Costellos Idee“, erklärt Lowe den Ursprung der Cover-Version in einem Interview mit Journalisten Shawn Conner. „Ich habe damals seine Alben produziert. Er mochte eine Band, in der ich vor Rockpile gespielt habe, Brinsley Schwarz. Er hat unsere Konzerte besucht. ‚Peace, Love And Understanding‘ war eigentlich ein Brinsley-Schwarz-Song. Aber er war es, der ihn bekannt gemacht hat. Er wurde später so oft gecovert, doch wenn Costello nicht gewesen wäre, wäre das Lied in der Versenkung verschwunden.“ Zum ersten Mal erscheint Costellos Version als B-Seite auf der Nick-Lowe-Single „American Squirm“. Weil der Song so gut ankommt, nimmt Costello ihn später aber auch auf sein drittes Album „Armed Forces“ auf.

Brinsley Schwarz - (What's So Funny 'Bout) Peace, Love & Understanding
Brinsley Schwarz - (What's So Funny 'Bout) Peace, Love & Understanding
James TW mit Incredible

Singer & Songwriter

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Knockin' On Heaven's Door
Knockin' On Heaven's Door

Guns N’ Roses - „Knockin’ On Heaven’s Door“

(eigentlich von: Bob Dylan)

Bob Dylan taucht in dieser Liste bereits zum zweiten Mal auf und dafür gibt es einen guten Grund: Er gehört zu den profiliertesten Songschreibern aller Zeiten. Das wissen auch Guns N’ Roses, die sich 1990 an Dylans Hit „Knockin’ On Heaven’s Door“ wagen und die ohnehin schon hervorragende Komposition zu einer überlebensgroßen Rockballade für die Ewigkeit umschreiben. Wo Dylan erfolgreich auf Minimalismus setzt und die melancholische Stimmung des Songs für sich sprechen lässt, blasen Axl Rose und Co. die Nummer bis in die Unendlichkeit auf und landen damit einen weltweiten Erfolg, der bis heute nachhallt. Was viele nicht wissen: Live spielen die Gunners den Song bereits ab 1987 und die erste Veröffentlichung ist mitnichten auf „Use Your Illusion II“ zu finden. Nein, ihre Premiere feiert die Cover-Version bereits am 26. Juni 1990 auf dem Soundtrack zu dem Autorenn-Film „Tage des Donners“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman. Zum Abschluss noch ein Funfact: Im Gegensatz zur Albumversion enthält die Soundtrack-Aufnahme eine vierzeilige Spoken-Word-Passage, die allerdings später gestrichen wird.

Bob Dylan - Knockin' on Heaven's Door (Official HD Video)
Bob Dylan - Knockin' on Heaven's Door (Official HD Video)
Jeff Buckley - Hallelujah (Official Video)
Jeff Buckley - Hallelujah (Official Video)

Jeff Buckley - „Hallelujah“

(eigentlich von: Leonard Cohen)

Genau wie „ (Whats So Funny Bout) Peace, Love And Understanding“ gehört auch „Hallelujah“ zu den Songs, die erst lange nach ihrer Komposition aufblühen. Als Leonard Cohen die selbstgeschriebene Nummer im Dezember 1984 veröffentlicht, möchte nämlich kaum jemand etwas von dem Song wissen. Das ändert sich, als John Cale und Jeff Buckley das Stück in der ersten Hälfte der 90er covern. Während Cales Version aus dem Stand gut ankommt, braucht Buckleys Aufnahme etwas mehr Zeit. In der Mitte der Musikwelt kommt sie nämlich erst einige Jahre später an, dafür umso heftiger. John Legend bezeichnet Buckleys Version sogar als „so perfekt, wie es nur geht“. Buckley selbst bekommt das leider nicht mehr mit, denn 1997 ertrinkt er im Alter von nur 30 Jahren in einem Seitenkanal des Mississippi River. Bis heute wurde „Hallelujah“ um die 300 Mal gecovert. Leonard Cohen tut sich damit nicht immer leicht, äußert aber 2012 in einem Interview mit dem britischen Guardian: „Es ist ein paar Mal vorgekommen, dass Leute nach einem Moratorium für ‚Hallelujah‘ gefragt haben. Und ein- oder zweimal habe auch ich darüber nachgedacht, ob ich nicht dafür sorgen sollte, dass das Stück nicht mehr gespielt wird. Aber wenn ich es mir recht überlege, bin ich sehr froh, dass das Lied gesungen wird.“

Leonard Cohen - Hallelujah (Live In London)
Leonard Cohen - Hallelujah (Live In London)
Johnny Cash - Hurt
Johnny Cash - Hurt

Johnny Cash - „Hurt“

(eigentlich von: Nine Inch Nails)

Für den letzten Song in unserer Liste drehen wir den Spieß um. Es gibt nämlich nicht nur Rocker, die Songschreiber covern, sondern auch Songschreiber, die Rocker covern. So nahm sich Johnny Cash für seine American-Aufnahmen das Stück „Hurt“ von Nine Inch Nails vor — und landete damit einen der größten Hits seiner jahrzehntelangen Karriere. Das liegt zum einen daran, dass einfach alles gut klingt, wenn Johnny Cash es singt oder spricht. (Es gibt sogar ein fast 19-stündiges Hörbuch namens „Johnny Cash Reading The Complete New Testament“.) Zum anderen gelingt es Cash in „Hurt“, eine depressive Stimmung aus dem Text von Nine-Inch-Nails-Mastermind Trent Reznor herauszukitzeln, die man in der Originalversion nur erahnen konnte. Das sieht Reznor ähnlich, wie er in einem Interview mit Alternative Press verrät: „Als ich das Video zum ersten Mal gesehen habe, hat sich das angefühlt, als hätte mich meine Freundin verlassen, weil der Song ab da nicht mehr meiner war. Das hat mich daran erinnert, wie mächtig Musik als Medium und Kunstform ist.“ Ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des Stücks stirbt Johnny Cash mit 71 Jahren an den Folgen seiner Diabetes. Seine Songs (und Cover-Versionen) bleiben uns zum Glück erhalten.

 

Nine Inch Nails - Hurt (Live: Beside You In Time) (Explicit)
Nine Inch Nails - Hurt (Live: Beside You In Time) (Explicit)