LISTE

Die 15 einflussreichsten Prog-Rock-Bands aller Zeiten

Mitte der 60er knistert es in der Welt der Rockmusik gewaltig und das Genre steht kurz davor, die spannendsten Blüten zu treiben. Das liegt nicht nur an den zunehmenden Experimenten der Beatles, der Rolling Stones oder der Beach Boys. Nein, auch der Prog-Rock nimmt ab 1965 gehörig Fahrt auf und zeigt die Gitarrenmusik von ihrer innovativsten und versiertesten Seite.

Wir haben die 15 wichtigsten Vertreter des Genres für Euch zusammengestellt.

Pink Floyd - Comfortably Numb (Live at Knebworth 1990)
Pink Floyd - Comfortably Numb (Live at Knebworth 1990)

Pink Floyd

Diese Liste kann nur mit Pink Floyd beginnen. Nicht, weil Pink Floyd zwingend die Besten oder die Ersten des Genres gewesen wären, denn darüber ließe sich streiten. Nein, Pink Floyd stehen vor allem in puncto Erfolg mit großem Abstand an der Spitze der einflussreichsten Prog-Rock-Bands aller Zeiten. Der Name der Gruppe lässt sich auf Gitarrist Syd Barrett zurückführen, der 1964 einsteigt. Seine großen Vorbilder: die beiden Bluesmusiker Pink Anderson und Floyd Council. Gemeinsam mit Barrett veröffentlichen Pink Floyd ihre ersten zwei Alben „The Piper At The Gates Of Dawn“ (1967) und „A Saucerful Of Secrets“ (1968). Ab Ende 1967 lässt er seine Kollegen immer öfter hängen, manchmal taucht er wegen seiner Drogeneskapaden noch nicht einmal zu Konzerten auf. Mit David Gilmour holen sich Pink Floyd einen Ersatzgitarristen an Bord, der Barrett schließlich vollständig ersetzt. Der Rest ist Geschichte: Mit „Wish You Were Here“ (1975) und „The Wall“ (1979) veröffentlichen die Briten zwei Meilensteine der Rockgeschichte und feiern ihren Prog-Rock im Rahmen multisensorischer Stadion-Events. Ihren größten Erfolg landet die Band mit ihrer achten Platte „The Dark Side Of The Moon“ (1973), die mehr als 20 Millionen Mal über die Ladentheke geht und gute 18 Jahre(!) in den US-Albumcharts verharrt.

Frank Zappa - Bobby Brown Goes Down (1978)
Frank Zappa - Bobby Brown Goes Down (1978)

Frank Zappa & The Mothers Of Invention

Es lässt sich kaum fassen, was Frank Zappa in gerade einmal 52 Lebensjahren auf die Beine gestellt hat. Mehr als 60 Platten bringt das Musikgenie zu Lebzeiten raus, weitere 40 Alben erscheinen nach seinem Tod (1993). Seine Begeisterung für Musik entdeckt er schon zu Schulzeiten. Schlagzeug, Gitarre, Bass, Klavier, Percussion: Mit ein paar Armen mehr hätte Frank Zappa als ganze Band auftreten können. Stattdessen lässt er sich von seinen Musikern schriftlich geben, dass sie drogenfrei bleiben, denn einen Rausch erlebt Zappa lieber auf der Bühne oder beim Sex. Außerdem raucht er quasi Kette und trinkt Kaffee, als wäre es Wasser. 1966 veröffentlichen Frank Zappa und seine Mothers Of Invention ihr Debütalbum „Freak Out!“ und mischen darauf klassische Rock-Songstrukturen mit Improvisationen und Klangcollagen. 1974 gelingt Zappa mit „Apostrophe“ der Sprung in die US-Top-Ten, auch „Over-Nite Sensation“ (1973) und „Zoot Allures“ (1979) gehören zu seinen Klassikern. Seinen größten Hit landet der exzentrische Musiker mit dem Song „Bobby Brown“ von der Platte „Sheik Yerbouti“ (1979). Interessanterweise läuft das Stück über den frauenfeindlichen Studenten, der sich mit einer lesbischen Frau einlässt und daraufhin schwul wird, in nicht-englischsprachigen Ländern viel öfter im Radio.

PROCOL HARUM - A Whiter Shade Of Pale - promo film #2 (Official Video)
PROCOL HARUM - A Whiter Shade Of Pale - promo film #2 (Official Video)

Procol Harum

Die Ballade „A Whiter Shade Of Pale“ kennen wir alle, klar. Doch musikhistorisch betrachtet lassen sich Procol Harum keinesfalls auf ihre erfolgreiche Debüt-Single reduzieren. 1967 gegründet, prägen in den Anfangstagen vor allem Pianist und Sänger Gary Brooker sowie Texter Keith Reid die Musik der Gruppe. Doch auch Gitarrist Robin Trower und Multi-Instrumentalist Matthew Fisher beteiligen sich am Songwriting. (Trower tritt der Band im Juli 1967 als Ersatz für „A Whiter Shade Of Pale“-Gitarrist und Gründungsmitglied Ray Royer bei.) Die Briten lassen jede Menge klassische Elemente in ihre Musik einfließen, zum Beispiel von Johann Sebastian Bach. Das Ganze vermischt die Gruppe mit Blues-, R&B-, Soul- und Psychedelic-Elementen, wodurch der Procol-Harum-Trademark-Sound entsteht. Mit ihrer ureigenen Mischung legt die Band einen der Grundsteine für den Psychedelic-Boom der folgenden Jahre, doch der ganz große Durchbruch bleibt Procol Harum verwehrt: Bis heute kennt man die Engländer vor allem für ihren einen großen Hit. Eine Schande ist das nicht, denn „A Whiter Shade Of Pale“ gehört zweifelsohne zu den schönsten Rockballaden aller Zeiten. Außerdem: Ein Song, den der legendäre Sänger Joe Cocker im Rahmen des noch legendäreren Woodstock-Festivals covert, hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern mehr als verdient.

Genesis - Supper's Ready Live 1974 (Remastered 4K)
Genesis - Supper's Ready Live 1974 (Remastered 4K)

Genesis

Die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte der britischen Prog-Rocker Genesis lässt sich in zwei Phasen unterteilen: die Peter-Gabriel-Ära und die Phil-Collins-Ära. Zwar steigt Phil Collins bereits im August 1970 in die Band ein, also fünf Jahre vor Peter Gabriels Abschied im Mai 1975. Doch erst mit Gabriels Ausstieg übernimmt Collins den Vollzeitposten als Sänger und Bandleader — durchaus ungewöhnlich für einen Schlagzeuger. Ihre progressive Phase durchleben die Briten vor allem mit Gabriel, der die ersten vier Platten der Gruppe maßgeblich mitgestaltet und sich auf dem fünften Genesis-Album „The Lamb Lies Down On Broadway“ (1974) noch einmal so richtig austobt. Doch schon während der Produktion kriselt es unter den Musikern. „Jeder von uns hatte seine eigenen Pläne“, erzählt Gitarrist Steve Hackett in einem Interview. „Manche waren verheiratet, manche hatten Kinder, wieder andere ließen sich gerade scheiden. Trotzdem versuchten wir, uns zusammenzuraufen. Die Versuche scheitern, Gabriel steigt aus, Collins übernimmt. Mit ihm am Ruder bewegen sich Genesis in deutlich poppigere, aber immer noch sehr anspruchsvolle Fahrwasser, veröffentlichen hochkarätige Alben wie „Invisible Touch“ (1986) sowie „We Can’t Dance“ (1991) und erspielen sich endgültig ihren Platz auf dem Rockolymp. Ihr letztes Konzert gaben Genesis am 23. März 2022 in London.

Jethro Tull - Aqualung (Rockpop In Concert 10.7.1982)
Jethro Tull - Aqualung (Rockpop In Concert 10.7.1982)

Jethro Tull

Eine Rockband, deren Markenzeichen es ist, dass ihr Sänger auf einem Bein Querflöte spielt? Vor 1967 hätte man jedem nach so einer Behauptung wohl noch den Vogel gezeigt. Doch Jethro Tull zeigen Ende der 60er, dass es in der Tat keine Grenzen mehr zu geben scheint. Mit ihrer Mischung aus Blues, Jazz, Folk, Rock und Klassik definieren die Briten um Frontmann Ian Anderson zu Beginn der 70er das, was man heute als Progressive Rock bezeichnet. Was viele nicht wissen: Im Jahr 1968 spielt kurzzeitig ein Gitarrist bei Jethro Tull, dessen Namen ihr hoffentlich alle kennt: Tony Iommi. Später gründet der Engländer mit seinen Freunden Bill Ward, Geezer Butler und Ozzy Osbourne eine nicht ganz unwichtige Kapelle namens Black Sabbath. Jethro Tull heißen zu Beginn noch John Evan Band, weil die Mutter von Keyboarder John Evan den Bus der Band bezahlt. Später tauft sich die Gruppe in Jethro Tull um, den Namen eines britischen Agrarwissenschaftlers, der von 1674 bis 1741 lebte. Ihren großen Meilenstein „Aqualung“ veröffentlichen Jethro Tull im Jahr 1971. Im Lauf der 80er erweitert die Band auch im Electronic Rock die Grenzen des Machbaren, für die Platte „Crest Of A Grave“ (1987) kassieren die Musiker sogar einen Grammy für das beste Hard-Rock-Album.

YES - Owner of a Lonely Heart (Official Music Video)
YES - Owner of a Lonely Heart (Official Music Video)

Yes

Yes sind mit kleineren Unterbrechungen seit mehr als 50 Jahren aktiv, haben in den 70ern mit Keyboarder Rick Wakeman den Prog-Rock mitdefiniert und sich zu Beginn der 80er unter Trevor Rabin noch einmal völlig neu erfunden. So setzen die Briten mit Platten wie „The Yes Album“ (1971), „Fragile“ (1971) und „Close To The Edge“ (1972) neue Prog-Standards, während die Gruppe ihren größten kommerziellen Erfolg mit „90125“ (1983) landet. Vor allem der Hit „Owner Of A Lonely Heart“ gehört bis heute zu den meistverkauften Singles von Yes, zeigt aber nur bedingt, was die Musiker auf dem Zenit ihres progressiven Schaffens geleistet haben. Einen guten Überblick liefert die Live-Platte „Yessongs“ (1973), auf der Yes all ihre größten Stärken präsentieren: den beeindruckenden Gesang von Frontmann Jon Anderson, die herausragende Gitarrenarbeit von Steve Howe, das unerschütterliche Rhythmusgefühl von Bassist Chris Squire sowie das Metronom-artige Schlagzeugspiel der beiden Trommler Bill Bruford und Alan White. Eine herausragende Rolle nimmt Keyboarder Rick Wakeman ein, der mit nur wenigen Tasten Klangwelten erschafft, an denen so manches Orchester scheitern würde. Kein Wunder, dass „Yessongs“ als eins der besten Live-Alben aller Zeiten gilt.

Rush - Tom Sawyer (Official Music Video)
Rush - Tom Sawyer (Official Music Video)

Rush

Wenn es um kanadischen Prog-Rock geht, gibt es einen klaren Champion: Rush. 19 Studioalben veröffentlichen Gitarrist Alex Lifeson und Frontmann Geddy Lee über die Jahrzehnte, darunter Meisterwerke wie „Fly By Night“ (1975), „2112“ (1976), „Permanent Waves“ (1980) und „Moving Pictures“ (1981). Anfangs trommelt noch Gründungsschlagzeuger John Rutsey für Rush, ab Juli 1974 übernimmt Neil Peart. Der verkauft zu jener Zeit eigentlich landwirtschaftliche Geräte im Laden seines Vaters, doch als er sieht, dass Rush einen neuen Schlagzeuger suchen, verstaut er sein Drumkit in Abfalleimern und fährt mit dem Ford seiner Mutter zur Audition. „Ich weiß noch, wie ich dachte: ‚Gott, er ist nicht annähernd cool genug, um in dieser Band zu spielen, erzählt Gitarrist Lifeson in der Dokumentation „Beyond The Lighted Stage“. „Doch dann legte er los. Er trommelte die Sch**** aus seinem Drumkit. Er spielte wie Keith Moon und John Bonham gleichzeitig. Heutzutage kann man sich Rush ohne Peart gar nicht vorstellen. Im Jahr 2018 setzen sich Rush nach 50 erfolgreichen Jahren auf dem Prog-Olymp zur Ruhe. Am 7. Januar 2020 stirbt Trommler Peart im Alter von 67 Jahren an einem Hirntumor. Was die Gruppe für den Prog-Rock geleistet hat, bleibt unvergessen.

Haken mit A Cell Divides

Prog-Rock

Prog-Rock

Hier kommt Ihr direkt zum Stream, in dem die größten Hits des Prog-Rocks für Euch zusammengestellt wurden!


Es läuft:
Haken mit A Cell Divides
Melody Starless
Melody Starless

King Crimson

Die Bandgeschichte von King Crimson fällt unter die Kategorie „kurz, aber heftig“. 1968 legen die Briten um Gitarrist Robert Fripp los, 1974 ist nach sage und schreibe acht Besetzungswechseln schon wieder Schluss. Die Zeit reicht allerdings, um sieben Alben zu veröffentlichen, die unzähligen Musikern auf der ganzen Welt den Weg weisen, wie zum Beispiel das legendäre Debüt „In The Court of The Crimson King“ (1969) oder die erfolgreiche zweite Platte „In The Wake Of Poseidon“ (1970). 1981 finden King Crimson noch einmal für ein paar Jahre zusammen, bleiben allerdings bis heute unbeständig. Zahlreiche jüngere Bands nennen King Crimson als Einfluss, darunter Opeth, Mastodon, Mudvayne, Neurosis und Yob. Auch Zeitgenossen wie Emerson, Lake & Palmer und Genesis bezeichnen die Gruppe als unabdingbare Inspiration. In Greg Lakes Fall dürfte das auch daran liegen, dass er von 1968 bis 1970 selbst zu King Crimson gehört und erst danach von Keith Emerson für dessen neue Band abgeworben wird. Improvisationen nehmen bei King Crimson einen besonderen Stellenwert ein, äußern sich allerdings weniger in Solo-Jams, sondern eher im spontanen Zusammenspiel aller Musiker. Diesen Vorgang bezeichnet Bandleader Fripp auch als „Magie“.

Can - Vitamin C - Live 1973 - Remastered
Can - Vitamin C - Live 1973 - Remastered

Can

Zum Progressive Rock zählt auch der Krautrock, der sich ab Ende der 60er von Deutschland aus seinen Weg um die ganze Welt bahnt. „Kraut“ steht in diesem Fall für die abfällige Bezeichnung der Briten für die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die sich die Musiker des Genres selbstironisch zunutze machen. Neben anderen großen Namen wie Grobschnitt prägen ab 1968 vor allem die Kölner Can das Genre, möchten aber nur ungern als Rockband bezeichnet werden. Tatsächlich greift der Begriff Rock bei den Avantgarde-Musikern zu kurz. Vielmehr bedienen sich Can am Free Jazz, am Funk und am Psychedelic Rock und beeinflussen damit zahlreiche andere Künstler, wie zum Beispiel Sonic Youth, Radiohead und The Mars Volta (siehe unten). Auch mit elektronischen Elementen experimentieren die Rheinländer im Lauf ihrer Karriere, wenn man den vorwärtsgewandten Werdegang der Gruppe denn überhaupt als solche bezeichnen möchte. Die Alben von Can hören auf exzentrische Titel wie „Tago Mago“ (1971) und „Soon Over Babulama“ (1974). Ihre bis dato letzte Veröffentlichung „Rite Time“ bringen die Kölner im Jahr 1989 raus. Zum Abschluss noch ein Funfact: Die US-amerikanische Gruppe The Mooney Suzuki benannte sich nach den beiden Can-Sängern Malcolm Mooney und Damo Suzuki.

Emerson, Lake & Palmer -  From The Beginning (Live)
Emerson, Lake & Palmer - From The Beginning (Live)

Emerson, Lake And Palmer

Den Grundstein für die Supergroup Emerson, Lake & Palmer legt Keith Emerson bereits 1969, als seine Band The Nice eine Show mit King Crimson spielt. Er quatscht Greg Lake an, den Bassisten von King Crimson, und schlägt ihm vor, ein gemeinsames Projekt zu starten. Als King Crimson zerfallen, erinnert sich Lake an das Gespräch und kontaktiert Emerson. Der gerade einmal 20 Jahre alte Schlagzeuger Carl Palmer vervollständigt das Trio, im August 1970 spielen die Drei die erste gemeinsame Show. Beim Isle Of Wight Festival tritt die Gruppe vor einer halben Million Zuschauer auf, ohne ein Album rausgebracht zu haben. Das holen die Musiker glücklicherweise schnell nach und veröffentlichen mit „Emerson, Lake & Palmer“ (1970), „Tarkus“ (1971), „Pictures At An Exhibition“ (1971), „Trilogy“ (1972) und „Brain Salad Surgery“ (1973) mindestens fünf hochkarätige Platten. Ende der Siebziger ist die kreative Luft in der Gruppe weggeatmet, erst 1991 findet die Band wieder zusammen, veröffentlicht einige Alben und spielt wieder live. Im März 2016 nimmt sich Emerson das Leben, weil ihm ein Nervenleiden zu schaffen macht. Lake stirbt kurz danach an Krebs. Was die beiden geschaffen haben, wird auf ewig in den Geschichtsbüchern stehen. Das gilt auch für Palmer, der seit 2006 für die Supergroup Asia trommelt.

Marillion - Kayleigh
Marillion - Kayleigh

Marillion

Als der Prog-Rock zu Beginn der 80er einen zweiten Frühling erlebt, stehen Marillion in der ersten Reihe des Geschehens. Genau wie bei Genesis, lässt sich auch die Geschichte dieser Gruppe in zwei Epochen unterteilen: die Fish-Ära und die Hogarth-Ära. Mit Sänger Derek William Dick alias Fish bringen Marillion von 1983 bis 1987 vier Alben raus, darunter die ewigen Klassiker „Misplaced Childhood“ (1985) und „Clutching At Straws“ (1987). Noch heute spielt die britische Gruppe diese beiden Platten auf der Bühne in voller Länge. Ab 1989 übernimmt Steve Hogarth alias H das Mikro und erledigt seinen Job kein bisschen schlechter als Vorgänger Fish. Ob Alben wie „Season’s End“ (1989) oder „Holidays In Eden“ (1991): Auch nach dem Abgang ihres ersten Frontmanns stellen Marillion immer wieder unter Beweis, dass sie zu den Chefs im Prog-Rock-Ring gehören, zuletzt mit dem brandneuen Erfolgsalbum „An Hour Before It’s Dark“ (2022). Übrigens: Bei dem Bandnamen handelt es sich um eine Abkürzung des Wortes „Silmarillion“ — in Anlehnung an das gleichnamige Buch von J.R.R. Tolkien, in dem der britische Autor die Vorgeschichte seines Mega-Erfolgs „Der Herr der Ringe“ erzählt.

Queensryche - Silent Lucidity (Official Music Video)
Queensryche - Silent Lucidity (Official Music Video)

Queensrÿche

Auch Queensrÿche entwickeln den Prog-Rock zu Beginn der 80er weiter, gehen dabei allerdings ein wenig härter zur Sache als ihre rockigeren Kollegen. 1981 unter dem Namen „The Mob“ gegründet, gehören die US-Amerikaner zu den ersten Gruppen, die den sogenannten Metal-Umlaut verwenden. Dabei handelt es sich um eine rein optische Verwendung der sogenannten Tremazeichen, die man über einem ä, ö oder ü findet. Zu den weiteren prominenten Nutzern des Metal-Umlauts zählen Motörhead und Mötley Crüe. Ein Schicksal dürften alle drei Bands miteinander teilen: „Wir haben elf Jahre damit verbracht, zu erklären, wie man unseren Namen ausspricht“, verrät Queensrÿche-Frontmann Geoff Tate im Jahr 2000 in einem Interview. Heute wissen die meisten Prog-Fans Bescheid, denn mit „Rage For Order“ (1986), „Operation: Mindcrime“ (1988), „Empire“ (1990) und „Promised Land“ (1994) hat die Gruppe gleich mehrere Genre-Meilensteine unter die Leute gebracht. Eine Zäsur in der Bandgeschichte markiert der Rauswurf von Tate im Jahr 2012. Heute tourt der Sänger unter dem Namen Operation: Mindcrime mit seiner eigenen Band um die Welt, während Queensrÿche seit 2012 mit Frontmann Todd La Torre weitermachen.

Dream Theater - Pull Me Under [OFFICIAL VIDEO]
Dream Theater - Pull Me Under [OFFICIAL VIDEO]

Dream Theater

Dream Theater legen ein wenig später los als Queensrÿche und die ebenfalls wichtigen Fates Warning, zählen mit den beiden genannten Gruppen aber zu den bedeutendsten Vertretern der Prog-Metal-Welle in den 80ern. Die drei Gründungsmitglieder John Petrucci, John Myung und Mike Portnoy lernen sich am Berklee College Of Music in Boston kennen, brechen ihr Studium allerdings zugunsten der Band ab. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt. Zu Beginn covern die Musiker noch Stücke von Rush und Iron Maiden, doch später veröffentlichen Dream Theater mit Sänger James LaBrie bahnbrechende Alben, die in jedes gut sortierte Prog-Metal-Regal gehören, wie „Images And Words“ (1992), „Awake“ (1994), „Six Degrees Of Inner Turbulence“ (2002), „Train Of Thought“ (2003) und „Octavarium“ (2005). Auf den Bandnamen kommt der Papa von Trommler Portnoy, der sich an das Schild eines kleinen Theaters in Kalifornien erinnert. Portnoy selbst gibt am 8. September 2010 bekannt, dass er Dream Theater verlässt; an seine Stelle tritt Mike Mangini. Bis heute zählt die Gruppe gemeinsam mit Queensrÿche und Fates Warning zu den sogenannten „Big Three“ des Prog-Metal. Ein Ende der Bandgeschichte ist zum Glück noch nicht in Sicht.

TOOL - Schism
TOOL - Schism

Tool

Als Tool zu Beginn der 90er loslegen, heben sie die progressive Krachmusik auf ein völlig neues Level. Schon mit ihrem Debüt „Undertow“ (1993) sprengen die Kalifornier Grenzen, der Nachfolger „Ænima“ (1996) stellt die Welt der Rockmusik endgültig auf den Kopf. Ein besonders denkwürdiges Konzert der Gruppe ereignet sich im Mai 1993, als Tool im Garden Pavilion in Hollywood auftreten sollen. Erst in letzter Sekunde finden sie heraus, dass es sich bei der Venue um einen Veranstaltungsort der Church Of Scientology handelt. Die Konsequenz: Statt das gewöhnliche Set zu spielen, verbringt Frontmann Maynard James Keenan die Zeit lieber damit, das Publikum anzumähen, als wäre er ein Schaf. Überhaupt: Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bands konzentrieren sich Tool nicht ausschließlich auf ihre Musik, sondern verfolgen ein Gesamtkonzept und kombinieren ihr Werk zum Beispiel mit bildender Kunst. Das gilt auch für die Live-Shows der Gruppe, bei denen nicht die Musiker im Vordergrund stehen sollen, sondern die Musik als solche. Aus diesem Grund arbeiten Tool mit aufwändigen visuellen Konzepten und Lichtshows. Auch besonders kreative Darreichungsformen gehören zum Konzept der Band. So veröffentlichen Tool ihr fünftes Album „Fear Inoculum“ (2019) zum Beispiel in einer Sonderedition mit 4-Zoll-HD-Bildschirm und 2-Watt-Lautsprecher.

The Mars Volta - Inertiatic ESP
The Mars Volta - Inertiatic ESP

The Mars Volta

The Mars Volta gehen 2001 aus der texanischen Post-Hardcore-Truppe At The Drive-In hervor, die sich nach der Jahrtausendwende aus unterschiedlichen Gründen auflösen. Am 24. Juni 2003 legen die sechs Musiker um die beiden Masterminds Omar Rodríguez-López  und Cedric Bixler-Zavala ihr Debüt „De-Loused In The Comatorium“ vor, auf dem neben den beiden genannten Musikern auch Queens-Of-The-Stone-Age-Schlagzeuger Jon Theodore sowie Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea mitwirken. Der Stil: eine Mixtur aus Progressive Metal und experimentellem Rock, den man zugegebenermaßen nicht unbedingt beim Arbeiten hören sollte. Am Mischpult sitzt bei der Aufnahme des Debüts Rauschebart Rick Rubin, der zwar tut, was er immer tut, und The Mars Volta auf das absolut Notwendige reduziert. Doch das absolut Notwendige ist im Fall der Avantgarde-Truppe eben ein bisschen mehr als zum Beispiel bei Johnny Cash, einem anderen von Rubins zufriedenen Kunden. Bevor The Mars Volta ab 2012 eine Pause auf unbestimmte Zeit einlegen, veröffentlicht die Gruppe fünf Alben. 2016 kommen At The Drive-In noch einmal aus der Versenkung, 2018 ist schon wieder Schluss. Ob wir uns auf weitere Veröffentlichungen der beiden Bands freuen dürfen, wissen wir aktuell nicht, doch Omar Rodríguez-López  nimmt zum Glück ein Soloalbum nach dem anderen auf.