Wer als Punk bezeichnet worden ist, hat als „das Allerletzte“ gegolten. Mit diesem Wort sind unter anderem Prostituierte, Obdachlose und Kleinkriminelle beschimpft worden. Die Jugendbewegung hat sich aber schließlich genau das zum Lebensmotto gemacht – in Kontrast zu der Hippiebewegung, die damals überall zu finden ist.
Punk gilt seit je her als Inbegriff einer rebellischen und provokanten Jugendkultur. Es ist eben nicht nur eine Musikrichtung, sondern eine Attitüde, eine Lebenseinstellung, eine bestimmte Haltung zu Gesellschaft, Politik und dem Establishment.
Die Vorläufer von Punk sind dabei vor über einem halben Jahrhundert in den USA und dort vor allem in New York zu finden.
Mitte der 1970er: Die Vorreiter des Punk
Von den Stooges, deren Sänger Iggy Pop heute gelegentlich als „Godfather des Punk“ bezeichnet wird, über The Velvet Underground, bis Patti Smith mit ihrem 1975er Album „Horses“. Diese sogenannten „Proto-Punk“-Helden haben den Weg geebnet für das, was wir heute unter Punk verstehen.
Tommy Ramone: „1973 wusste ich: Was gebraucht wird, ist reiner Rock ’n’ Roll ohne Bullshit.“ Nur ein Jahr später sollte genau ihm dies gelingen.
1974 - „Ramones“ gründen sich/Geburtsstunde des Punk
Joey Ramone: „Als wir im März ’74 begannen [aufzutreten], geschah das, weil die Bands, die wir liebten, der Rock ’n’ Roll, den wir kannten, verschwunden waren. Wir spielten Musik für uns selbst.”
1974 fand die Punk-Bewegung mit den Ramones, deren schneller und einfacher Sound die Musik-Welt aufhorchen ließ, ihre erste große Band. Sie schafften damit unbewusst eine neue Musikrichtung und den Prototyp des späteren Punk.
1975: Das erste Konzert der Sex Pistols
06. November 1975, St. Martin’s College of Art: Die Londoner Band Sex Pistols spielt ihr erstes Konzert, auf das noch viele weitere skandalöse Gigs folgen werden. Wollen sie ihrem Publikum um jeden Preis gefallen? Nein, sie wollen provozieren. Sie wollen Grenzen überschreiten. So beschimpfen sie beispielsweise ihre Fans, sie fluchen, sie machen Sachen kaputt, und und und...
Ihr Konzert ist auch schon nach zwanzig Minuten zu Ende, jedoch soll genau diese Band mit ihren (teils sogar aus heutiger Zeit, aber vor allem damals) fragwürdigen Auftritten dem Genre Punk noch so viel mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Die Punk-Bewegung nimmt ab diesem Zeitpunkt mehr und mehr Fahrt auf.
1976: The Year of Punk
Das Jahr in dem der Punk explodiert und unser Grund, um 50 Jahre Punk zu feiern! Ab diesem Zeitpunkt ist Punk nicht mehr nur eine Randnotiz, sondern wird eine weithin wahrgenommene Bewegung die nun auch im öffentlichen Diskurs stattfindet.
Für stellt der 23. April des Jahres 1976 den ultimative Startschuss dar, denn an diesem Tag bringen die Ramones ihr selbstbetiteltes Debütplatte heraus auf der gleich der Opener heißt „Blitzkrieg Bop“, ein Song, der wie ein Brennglas alles zusammenfasst, was man mit Punk verbindet: Harte Gitarren, einfache Akkorde, kurze Spielzeit.
In unter einer halben Stunde Spielzeit bringen sie satte 14 Songs unter, der längste ist „I Don't Wanna Go Down To The Basement“ mit knappen zweieinhalb Minuten, bei „Judy Is A Punk“ kratzt die Nadel sogar nur exakt eineinhalb Minuten übers Vinyl.
In Großbritannien erscheinen schließlich ein paar Monate später ebenfalls zwei ikonische Tonträger. The Damned hauen im Herbst „New Rose“ heraus, die als allererste britische Punk-Single gilt, kurze Zeit später erscheint mit „Anarchy In The U.K.“ die vielleicht berühmteste britische Punk-Single.
Und der Punk nimmt sich auch in den Konzertschuppen im wahrsten Sinne seinen Raum, was zu einer wahren Kettenreaktion führt: Punkband tritt auf, im Publikum finden sich Gleichgesinnte zusammen und wollen auch eine Punkband gründen. Das großartigste Beispiel lässt sich hierbei auf den 4. Juni 1976 datieren. An diesem Freitag nehmen die Sex Pistols vor einer Handvoll Menschen die Lesser Free Trade Hall in Manchester auseinander. Aber in diesem kleinen Club befinden sich unter den Gästen eben auch Leute, die später Joy Division, The Fall, The Smiths und Fractory Records prägen sollten.
Nur knapp einen Monat später treten dann die Ramones noch einmal eine Welle los, als die US-Band nämlich in London eines ihrer größten Konzerte auf der britischen Insel gibt.
Außerdem formieren sich in diesem Punk-Schicksalsjahr auch The Clash. Joe Strummer, Paul Simonon und Kollegen sind bis heute unvergessen. Auf der anderen Seite des großen Teichs geht es dann mit der Gründung von Black Flag und Bad Brains und der Hardcore-Punk Richtung noch etwas härter zu.
Aber keine Bewegung ohne Bühne: Der Punk braucht Raum und nimmt sich ihn auch. Das berühmte The Roxy eröffnet explizit unter dem Titel „London's einziger, purer Punk-Club“. Aber das stimmt natürlich nur so halb. Überall sprießen nun die größere oder kleinere Locations aus der Erde und altehrwürdige Institutionen wie der 100 Club verschieben ihren Schwerpunkt. Im letztgenannten findet auch im das „100 Club Punk Special“ statt, das als das allererste Punk Festival gilt. Die Punkbands, die in „normalen“ Venues kaum spielen durften, finden ein Zuhause.
Ein ikonischer Fernsehauftritt
Nach einem Interview am 01. Dezember 1976, in dem Johnny Rotten und Steve Jones von den Sex Pistols den Moderator beschimpften, gibt es nicht nur einen handfesten Skandal um die Band. Die Musikrichtung, die sie vertreten, bekommt schlagartig eine riesige mediale Aufmerksamkeit. Die im Dezember 1976 geplante Tour wird abgesagt, weil Behörden sich um die Jugend sorgen, doch dies kann den Aufstieg des Punk nicht verhindern, ganz im Gegenteil...
Der Punk wird zwar im weiteren Verlauf zum gesellschaftlichen „Problem“ (v)erklärt. Eltern wollen ihre Kinder vor der wilden Musik und der verdorbenen Sprache schützen, während die Jugend sich von Magazinen inspirieren lässt, was man denn als Punker so anzuziehen hat. Doch die Lawine, die einmal losgetreten worden ist, kann niemandem mehr aufhalten. Die Fanszines wie „Sniffin' Glue“ haben längst die Nachtschränke in den Kinderzimmern erobert.
Neujahrskonzert im Roxy Club in London
Am 01. Januar 1977 gibt es dann nochmal eine hochoffizielle, nachgeholte Eröffnungsfeier im erwähnten Roxy Club in London. Die späteren Helden des Genre, The Clash, spielen an diesem Tag ein ohrenbetäubendes Konzert, schlagen dabei fast alles zusammen und werden von ihren Fans gefeiert. Nach diesem Konzert zählen sie schlagartig zu den gefragtesten Bands der Szene.
Ungefähr in dieser Zeit fängt die Bewegung an, sich nicht nur an Gesellschaft und dem Establishment abzuarbeiten, sondern beginnt auch damit, die Vertreter des Mainstream-Rock abzulehnen. So proklamieren The Clash: „No Elvis, Beatles or The Rolling Stones in 1977!“
Ende 1970er: Die ersten deutschen Punkbands
1977 gibt es bereits die ersten deutschen Punkbands. Male und Mittagspause aus Düsseldorf. Diese Bands orientieren sich noch stark an den englischen Vorbildern. Der 1979 gegründeten Mittagpause-Nachfolger Fehlfarben gilt schließlich als eine der wichtigsten deutschen Punkbands dieser Deutschpunk-Anfangszeit.
1980er: Spaltung der Szene
In den 1980er Jahren verbreitet sich der Punk auf der ganzen Welt und es formieren sich Szenen auf fast allen Kontinenten. Punk ist nun ein globales Phänomen.
Gleichzeitig spaltet sich die Szene auf und entwickelt sich in neue musikalische Richtungen. Es entstehen zum Beispiel Streetpunk und Hardcore. Der Punk wird ernsthafter, aggressiver, aber auch noch politischer. Initiatoren des Hardcore-Punks sind beispielsweise Bands wie Dead Kennedys oder die schon erwähnten Bad Brains.
In dem 1980ern werden natürlich nach dem Urknall 1976 viele der noch heute wichtigen Punkbands gegründet. Unter anderem entstehen zu dieser Zeit Minor Threat, NOFX und Bad Religion und Bands wie Social Distortion und The Misfits erleben ihre erfolgreichste Phase.
1982: Deutscher Punk: Die Ärzte und Die Toten Hosen
1982 wird mit den Die Toten Hosen die deutschsprachige Punkszene revolutioniert.
Auch Die Ärzte, werden in jenem Jahr gegründet, trennen sich aber schon 1988 nach Bandinternen Streitereien und einem fulminanten Abschiedskonzert auf Sylt. Knapp ein halbes Jahrzehnt ist von ihnen nichts zu hören, bevor es ab 1993 weitergeht und es nun heißt „EsgibtnureinenGott: BelaFarinRod“ mit Rodrigo González als neuem Bassisten. Bis heute gehören beide Bands zu den erfolgreichsten in der deutschen Musikszene.
Wendet man den Blick wieder aufs internationale Geschehen, lassen parallel dazu Bands wie The Offspring, Deftones und NOFX den Punk in den USA noch erfolgreicher werden und verpassen ihm weitere Facetten.
1990er: Revival des Punk
Eine Band, die maßgeblich für das Wiederaufleben des Punks steht, nachdem natürlich der Grunge das allesbestimmende Genre der 90er ist, ist die Band Green Day. Sie wird die kommerziell erfolgreichste Punkband der Zeit.
National erfährt das Genre ‚Deutschpunk‘ einen Aufwind durch zahlreiche Bandneugründungen, nachdem die hiesige Szene in den Jahren zuvor sehr vom US-Hardcore geprägt wurde gibt es nun auch eine Diversifizierung.
2000er: Kommerzialisierung
ABER: Auch am rebellischen Punk geht die Kommerzialisierung nicht vorbei. So ist Punk zum Beispiel plötzlich in der Modewelt en vogue: Modeketten verkaufen Nietengürtel, Teenager zerschneiden ihre Kleidung. Auch einige Urpunkbands verfallen dem Kommerz, sehen den Rubel rollen und verkaufen beispielsweise teure Band T-Shirts.
Mitte der 2000er – Neue Subgenre bilden sich
Mit den Jahren entstehen durchläuft das Genre natürlich weitere Evolutionsstufen und so wundert es nicht, dass auch das neue Jahrtausend mit neuen Spielarten aufwartet: Skatepunk, Elektropunk, Pop Punk und Emopunk, die Musik wird teils doch viel melodiöser. Die neuen Vertreter heißen jetzt blink-182, Funeral for a Friend, Rise Against, aber auch Sum 41 oder My Chemical Romance sind auf dem Vormarsch.