Autor: RADIO BOB!
Veröffentlicht: Juni 2026
Im RADIO BOB!-Podcast „True Crime Tracklist – Verbrechen in der Rockmusik“ geht es in der Folge „Woodstock ’99: Festival, Eskalation und Gewalt“ um ein Festival, das als Wiedergeburt von Woodstock geplant war – und als abschreckendes Kapitel der Rockgeschichte endete.
Die komplette Podcastfolge findet Ihr am Ende des Artikel, HIER oder in der myBOB-App. Hört rein, wenn Ihr wissen wollt, wie Profitdruck, Hitze und eine überlastete Infrastruktur zu einem Festivaldesaster führten. Hier gibt es das Begleitmaterial zur Folge.
Woodstock ’99: Aus Legende wird Geschäftsmodell
Das erste Woodstock im Jahr 1969 entsprang der Idee von Liebe, Freiheit und Frieden. Auf dem Plan standen damals Jimi Hendrix, Janis Joplin, The Who und die große Idee, dass Musik für ein Wochenende alles zusammenhalten kann.
Dreißig Jahre später sieht die Sache anders aus: Das Festival Woodstock '99 zieht auf einen ehemaligen Militärflugplatz in Rome, New York, die Tickets kosten 150 Dollar und die Übertragung durch MTV folgt dem Pay-Per-View-Modell. Aus dem Gedanken eines Events für die friedliche Gegenkultur wird ein Kommerz getriebenes Fiasko – für das Schätzungen zufolge über 200.000 Personen vom 23.07. – 25.07.1999 auf die Griffiss Air Force Base strömen.
Hitze, Unterversorgung und eine überforderte Peace Patrol
38 Grad und blanker Beton: Bereits zu Beginn des Festivals liegt das Trinkwasser bei 4 Dollar pro Flasche, am dritten Tag kostet das Wasser teils bis zu zwölf Dollar, während den Besuchenden die eigene Vorräte am Eingang abgenommen werden.
Für die Woodstock '99 Besucher gibt es kein Entkommen vor der Hitze, die Campingflächen werden teilweise von den Wiesen auf die betonierten Flächen ausgeweitet. Auch die Sanitäranlagen reichen bei weitem nicht aus, um sich mit Wasser zu versorgen und zu waschen.
Eine Situation, die selbst für professionell geschultes Security-Personal kaum zu bewältigen ist – noch weniger jedoch für die auf dem Woodstock '99 eingesetzte Peace Patrol.
Das Woodstock '99-Wochenende: Chronik einer Eskalation
The Offspring-Mitglieder beobachten bei ihrem Auftritt am Festival-Freitag übergriffiges Verhalten gegenüber weiblichen Besuchern und machen dem Publikum eine Ansage. Am Samstag eskaliert die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen und auf dem Gelände ereignen sich zwei fatale medizinische Notfälle. Am Samstagabend wird das Set von Limp Bizkit zum Brandbeschleuniger und die Crowd beginnt damit, Übertragungstürme und das Gelände auseinander zu nehmen.
Am Sonntag werden für eine Gedenk-Aktion für die Opfer des gerade zurückliegenden Columbine High School-Attentats Tausende Kerzen auf dem Gelände platziert und entzündet – ohne dies mit den Veranstaltern abzusprechen. Ein fataler Fehler, denn während des Auftritts der Red Hot Chili Peppers spitzt sich die Lage zu und mit Hilfe der Kerzen werden erste Feuer gezündet. Enttäuscht über den fehlenden Abschluss-Act, den einige der Besucher nach Ankündigungen erwartet hatten, bricht endgültig das Chaos aus. Erst brennt Müll und Sperrholz, dann Stände und Fahrzeuge. Trailer, Toiletten und Geldautomaten werden auseinander genommen und geräubert – sogar der Audioturm wird abgerissen und zerstört. Die State Police und die Feuerwehr rücken mit Hunderten Einsatzkräften an, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen.
David DeRosia: Eines der Todesopfer des Woodstock '99
Die Podcastfolge verfolgt die Entwicklung der Eskalation unter anderem anhand der tragischen Geschichte des Woodstock '99-Besuchers David DeRosia – und seinen Notizen zu den ersten Event-Tagen.
David wird von seinen Freunden als absoluter Musikfanatiker beschrieben, ist ein riesiger Metallica-Fan und hat ein Ziel: Die Thrash-Giganten auf dem Woodstock '99 ganz weit vorne erleben! Für das Wochenende packt er ein kleines Notizbuch ein, das später einen seltenen Blick auf die ersten Stunden auf dem Gelände gibt. Am Samstag spart er seine Energie für den lang ersehnten Moment. Doch DeRosias Körper gibt auf, er kollabiert während des Metallica-Auftritts in der Menge, wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Bei den Untersuchungen wird festgestellt: Seine Körpertemperatur liegt bei 42 Grad. Der 24-Jährige verstirbt zwei Tage später an den Folgen.
Woodstock '99: Konzerte und Publikum außer Kontrolle
"Break Stuff" von Limp Bizkit live bei Woodstock '99
RHCP bei Woodstock '99: Im Publikum werden Feuer gezündet
Woodstock-Gründer Michael Lang and Promoter John Scher im Interview
Woodstock '99: Festival, Eskalation und Gewalt
Woodstock ’99 sollte die Legende von 1969 neu beleben: Die Musik ist riesig, das Line-Up legendär, aber die Bedingungen katastrophal. Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Rome, New York treffen Korn, Limp Bizkit, Rage Against the Machine, Metallica und die Red Hot Chili Peppers auf Hitze, Beton, ein unbrauchbares Sicherheitskonzept – und ein explosives Publikum. Das Festival wird zum Desaster, das mit Toten, Ausschreitungen, Übergriffen, Bränden und offenen Verantwortungsfragen endet.
Diese Folge True Crime Tracklist rekonstruiert die vier Tage Chaos über die tragische Geschichte des 24-jährigen Metallica-Super-Fans David DeRosia, der mit seinen Freunden Woodstock '99 besuchte – und sein Notizbuch mitnahm.
Kompakte Infos und Fakten:
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Wo und wann hat Woodstock '99 stattgefunden?
Das Festival Woodstock '99 fand vom 23.06. bis 25.06.1999 auf dem Militärflughafengelände Griffiss Air Force Base in Rome, New York statt.
Das Festival sollte zum 30. Jubiläum an Woodstock 1969 anknüpfen, endete aber in Hitze, schlechter Versorgung, sexuellen Übergriffen, Bränden, Plünderungen und drei Todesfällen.
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Was ist bei Woodstock '99 passiert? Warum ist Woodstock ’99 eskaliert?
Mehrere Faktoren kamen hier zusammen: Das Gelände bot bei extremer Hitze keine ordentlichen Campingmöglichkeiten oder Schattenplätze. Zudem waren die Laufwege zwischen den Bühnen enorm lang. Hinzu kam eine schlechte Trinkwasserversorgung und hohe Preise – eine Flasche Wasser kostete am letzten Festivaltag bis zu 12 Dollar. Die Sanitäranlagen waren unzureichend vorhanden, überfüllt, fielen aus und trugen zu katastrophalen hygienischen Bedingungen auf dem Gelände bei. Außerdem gab es keine professionelle Security, sondern eine "Peace Patrol" aus Freiwilligen.
Die Stimmung unter den Besuchern kippte. Besucher nannten hohe Preise, fehlendes Wasser, Hitze und mangelhafte Kontrolle als Gründe für den Stimmungsumschwung.
Das Wochenende endete mit Hitze-Notfällen, sexuellen Übergriffen, Bränden, Plünderungen, Verhaftungen und drei Todesfällen. Am Sonntag eskalierte die Situation endgültig und Hunderte Einsatzkräfte der State Police und Feuerwehr mussten anrücken.
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Wer war David DeRosia?
David DeRosia war ein 24-jähriger Metallica-Fan aus Waterbury, Connecticut. Er reiste mit Freunden zu Woodstock ’99, kollabierte während des Metallica-Sets und starb am Montag nach dem Festival an Hyperthermie.
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Wie viele Menschen starben bei Woodstock ’99?
Drei Menschen starben im Zusammenhang mit Woodstock ’99 unter unterschiedlichen Umständen. David DeRosia kollabierte während des Metallica-Auftritts und starb später an Hyperthermie. Tara Weaver wurde auf dem Weg vom Gelände von einem Auto erfasst. Der 44-jähriger Scott Stanley starb auf dem Campinggelände an einem Herzstillstand.
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Warum gilt Limp Bizkit bei Woodstock ’99 als umstritten?
Limp Bizkit gelten oft als Symbol der Eskalation, denn ihr Samstagabend-Set heizte eine ohnehin angespannte Lage weiter auf. Die Band und Frontmann Fred Durst sah auf der Bühne von beruhigenden Worten ab.
Aber der Ablauf der Eskalation war komplexer. Die großen Brände, Plünderungen und die endgültige Zerstörung des Geländes passierten erst am Sonntag rund um das Festivalfinale.
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Gab es Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe bei Woodstock ’99?
Ja. Es gab vier offiziell gemeldete Vergewaltigungen, jedoch berichteten ansässige Krisen-Teams von weit aus mehr Fällen von sexueller Gewalt gegenüber Frauen.